Eisbären Regatta
Da schaut mir der Pinguin schon zum zweiten Mal dieses Jahr ins Gesicht. Ich möchte ihm gerne „Inspiriere Mich“ zurufen. Aber er wird stumm bleiben, das ist mal sicher … trotz all des Dramas. Also los, es gibt einiges zu erzählen.
Warum Bremerhaven? Im November, wenn es kalt ist und häufig stürmisch?
Nun die Eisbärenregatta ist schon sehr besonders. Segeln in Stadion-Atmosphäre, mit Logenplätzen für die mitgereisten Fans und Betreuer, wenig Platz auf der Bahn, unendlich viele Tonnenmanöver, die schönsten Regatta-Sammeltassen, immer: drehende Winde, der beste Backfisch und schließlich zahllose Runden, die vor allem eines versprechen: Drama, Drama, Drama. Und so viel möchte hier schon vorwegnehmen: Drama gab es auch dieses Jahr.
Mein Vater und ich waren bereits am Donnerstagabend angereist und haben erst einmal einen Haken an die Sache mit dem Backfisch gemacht. Lecker!
Am Freitag wurde es dann ernst: Boote aufbauen, umziehen und auf zur Steuerleutebesprechung.
Nach der Steuerleutebesprechung sind wir er voller Vorfreude vermischt mit einer verzweifelten Hoffnung auf Wind aufs Wasser gegangen. Et voilà: die angenehme doch unruhige Briese kam und hat bis in den späten Nachmittag durchgehalten. Nach einem bescheidenen Start konnte ich zwei der vier gesegelten Läufe als Dritter beenden.
Im Hafen wurden wir mit leckerem, warmem Punsch empfangen und ich habe mich mit einem Freund zum abendlichen Essen verabredet: Backfisch (ist klar, wir sind hier in Bremerhaven!). Nach diesem anstrengenden Tag bin ich mit gefülltem Magen und doch ganz schön müde ins Bett gefallen.
Der zweite Wettkampftag am Samstag startete großartig mit einem ausführlichen Frühstück. Auf der Fahrt vom Hotel entlang der Piers zum Hafen konnte man erkennen, dass der Morgen dazu neigte, sich zu einem wunderbaren Tag zu entwickeln. Die Wolken des Dramas blieben hinter dem Horizont.
Anschuss erster Lauf: 6. An der Tonne eins, gut aber ausbaufähig. Im Ziel war ich gefühlt 6. von hinten … auf jeden Fall ausbaufähig. Mein Trainer neigte zu einer klareren Analyse: “Wenn man alles von Start bis Ziel gefilmt hätte, dann hätte man ein Video, wie man nicht segeln sollte.“
Derart motiviert bis in die Zehenspitzen ging es wieder an die Startlinie und: los. Wieder 6. an der Eins. Und es wurde besser: Zack: Halse und Dritter am Gate. Erster mit zehn Metern Vorsprung an der Zwei. Runter auf den Vorwind und ums Gate. Wieder Hoch zur Zwei, jetzt 25 Meter Vorsprung auf den zweiten. Nur noch um die letzte Tonne und durchs Ziel. Vom Zielschiff hörte ich noch: Erster Opti A 12:21 Uhr.
Gefreut, gelacht, geschaut und …. da war es das Drama. Das Feld segelte noch eine Runde. Stand am Startschiff eine 4 oder eine 5? Geflucht, in die Pinne gebissen und noch den unnötigen Umweg über das Gate genommen… Wie es schon vielen in Bremerhaven passiert ist, bin ich eine rund zu wenig gefahren. Also dann doch nur 14. im Ziel. Zeit seine innere Mitte zu suchen.
Mit noch viel, viel mehr Motivation ging es zurück an die Startlinie. Und: Los. Diesmal: erster an der Eins. Erster mit Vorsprung an der Zwei und erster mit noch mehr Vorsprung nach der zweiten Kreuz. Erster mit noch viel mehr Vorsprung nach der dritten Kreuz. Und erster mit viel Vorsprung nach der letzten VIERTEN Kreuz. Und erster im Ziel. Geht doch. Weiter mit angenehmen Wind zurück in den Hafen.
Selbstverständlich war ich das Thema des Tages. Sometimes you watch the show, sometimes you are the show …
Am Morgen des dritten und letzten Regattatages für Opti A hatte ich jetzt ein klares Ziel: Top 3 im Gesamtergebnis bei noch zwei anstehenden Läufen.
Im ersten Lauf des Tages konnte ich einen soliden zweiten Platz geschafft. Im letzten Lauf der Regatta wurde ich erster. Jonny Seekamp, der klare Favorit, war in diesem Lauf nicht angetreten, um seinen Flug zur Einladungsregatta auf Zypern noch zu erreichen.
Damit hatte ich mein selbst gestecktes Ziel gerade so auf den Platz genau geschafft.
Bei der Siegerehrung wurde ich bei einem warmen Kakao daran erinnert, dass mir mit dem dritten Platz auch das Glück zu Teil wurde, einen Bericht über diese denkwürdige Regatta zu schreiben.
Glückwunsch an Jonny Seekamp zum Sieg und an Laurenz Engelke zu einem souveränen zweiten Platz. Es waren abwechslungsreiche und spannende Wettfahrten.
Danke auch an die Wettfahrtleitung des WVW, die sich trotz der Kälte drei Tage lang sehr gut um uns gekümmert hat.
Mit dem Pinguin im Gepäck ging es dann am Sonntagnachmittag wieder auf nach Hause. Schön wars in Bremerhaven und Ich freue mich schon wieder auf die Fischereihafenregatta 2026.

